Glück & Freude

Zwischen Glück und Freude gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied, den man kennen sollte. Vor allem, wenn man sich mal nicht so gut fühlt und einem das Leben mal wieder schwerer vorkommt, als es eigentlich ist. Hierfür kurz jeweils ein Beispiel. Sie dürfen dann raten, welches mit Glück und welches mit Freude zu tun hat oder sogar vielleicht mit beidem.

  1. Sie gehen eine Straße entlang und sehen zufällig in einem Schaufenster genau den Pullover oder die Jacke, die sie schon immer haben wollten.
  2. Als Sie am späten Nachmittag müde aus dem Büro kommen und Sie nach ein paar Minuten des Gehens das Rascheln der Blätter unter ihrem Schuhe hören, bemerken Sie, wie die untergehende Sonne die bunten Herbstblätter die Gelb- und Rottöne zum Leuchten bringt.
  3. An einem verregneten Sonntag Mittag sitzen Sie gemeinsam mit Ihrer Familie an einem Tisch. Alle unterhalten sich über die Dinge, die sie interessieren und es herrscht eine angenehme, ausgelassene Stimmung.

Was denken Sie, wann spricht man davon, dass man „Glück hatte“ und wann empfindet man „Freude“?

Ich denke mal, dass es Ihnen ähnlich wie mir ergeht. Im ersten Beispiel hatte man einfach Glück. Das ausgerechnet in diesem Moment man durch ausgerechnet diese Straße und genau dann noch in dieses Schaufenster blickt… purer Zufall. Ode sollte man besser von Glück sprechen?

Beim zweite Beispiel fällt es einem schon schwerer von Glück zu sprechen. Es fühlt sich irgendwie anders an. Es ist dieses innerliche Strahlen, das Gefühl von Wärme, vielleicht ein leichtes Lächeln, das einem über das Gesicht huscht. Und während man beim ersten Beispiel die eigene Aufmerksamkeit voll auf das Äußere zielt, die Jacke und man in Gedanken schon in der Zukunft ist und sich vorstellt, wie es wohl wäre, man das gute Stück schon besitzt, so ist es im zweiten Fall dann doch anders. Auch hier ist man im Äußeren, man nimmt ja die Sonne und die Wärme und das Rascheln wahr. Aber man ist auch ganz im Moment und eben nicht in der Zukunft. Und man ist mehr bei sich und nimmt leichter wahr, was man fühlt.

Im dritten Fall ist eher so eine Mischung. Man freut sich über das Glück mit seiner Familie an einem Tisch zu sitzen, sich vielleicht geborgen und zugehörig zu fühlen. Man ist neugierig, was die anderen zu erzählen haben, welche „neuen Wörter“ die Kinder kennen oder vielleicht auch nur den neuen Aufstrich zu probieren.

Und wenn ich also davon rede unglücklich zu sein, was genau meine ich dann? Oder was genau will ich haben? Will ich mehr solche Momente wie den ersten haben? Oder mehr Momente wie im zweiten und dritten Fall?

Wahrscheinlich würden Sie eher Momente wie im zweiten und dritten Fall bevorzugen und damit Freude! Das Gefühl unglücklich zu sein ist also gar nicht das Problem. Es geht um mangelnde Freunde!

Glück

Glück ist meist etwas, auf das wir

  • keinen Einfluss hatten und

  • das im Außen liegt.

Man findet Geld oder sieht die passende Jacke. Oder der Bus kam ausnahmsweise später und man erreicht ihn doch noch. In der Prüfung kamen die richtigen Fragen dann – wobei das nur bedingt etwas mit Glück zu tun hat, aber das ist ein anderes Thema.

Freude

Freude empfinden wir, wenn in uns selbst dieses Gefühl entsteht. Wir lassen dieses Gefühl entstehen, weil wir

  • aufmerksam und

  • interessiert sind.

Wenn ich meinem Hobby nachgehe, kann ich Freude empfinden. Es interessiert mich und ich bin aufmerksam. Beim Abendessen höre ich aufmerksam und interessiert zu. Wenn ich in einer schönen Landschaft bin, dann bin ich mit meiner Aufmerksamkeit ganz bei dieser Landschaft und betrachte sie mit einer Art kindlichen Neugier. Manchmal ist diese kindliche Neugier so stark, dass wir wie kleine Kinder wieder durch die raschelnden Blätter rennen.

Und was mache ich nun, wenn ich mich mal nicht so gut fühle, mich unglücklich fühle? Nun ja, ich kann hoffen, dass etwas im Außen passiert, dass mich glücklich macht, was aber eher unwahrscheinlich ist. Dennoch machen das die meisten Menschen und schauen Fernsehen, YouTube, Instagram oder Netflix. Und wundern sich dann nach drei Stunde, warum sie sich genauso schlecht fühlen wie vorher.

Oder ich kann etwas tun, das meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, meinen Geist ganz auf diese Sache konzentriert. Das ist eine andere Form der Fokussierung, als wenn ich mich medial ablenken lasse. Und ich bin ganz neugierig auf das, was passiert. Letzteres ist nicht immer ganz einfach, aber da kann es helfen einfach mal zu fühlen, wo ich welche Empfindungen in meinem Körper habe.

Wenn ich in einer langweiligen Konferenz sitze, dann reicht die einfache Aufmerksamkeit nicht, um mich freudig erregt herausgehen zu lassen. Es fehlt vor allem oft das Interesse! Versuchen Sie Interesse zu zeigen, versuchen sie die Inhalte mit sich in Bezug zu setzen oder versuchen Sie einfach mal herauszufinden, wo sich Ihr Widerwillen in Ihrem Körper in welcher Form manifestiert. Wo zieht es, wo sticht es, wo drückt es? Sie sind es, der entscheidet mit welchem Gefühl sie aus der Konferenz herausgehen. Und ja, dass das natürlich nicht mit einem Alpenglühen zu vergleichen ist, ist klar. Aber sie werden sich besser fühlen, versprochen.

 

 

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